Schimpfwörter: Wie du gelassener mit Kraftausdrücken umgehst

Die kindliche Entwicklungsphase, in der plötzlich Schimpfwörter durch den Raum fliegen, bringt Eltern oft an ihre Grenzen. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du in Zukunft deutlich gelassener mit diesen Verbalangriffen umgehen kannst.

 

„Blöde Kuh!“, höre ich einen Jungen zu seiner Mutter sagen, neben der ich gerade auf einer Bank Platz genommen habe. Entsetzt schaut diese mich an. Es ist ihr sichtlich unangenehm.

Gleichzeitig merke ich, dass sie das so nicht stehenlassen kann und will. Der Blick auf ihren Sohn verändert sich, ihre Körperhaltung wird aufrechter, und ich höre die strengen Worte aus ihrem Mund: „Ich verbitte mir, dass du so mit mir sprichst!“

Der Junge, etwa 5 Jahre alt, lächelt kurz und läuft dann unbeeindruckt fort, um weiterzuspielen.

Die Mutter wirkt bedrückt, als sie sich mir anvertraut: „Ständig haut er mir solche und noch schlimmere Worte um die Ohren, und ich, ich versuche, streng zu sein, doch das ist wohl nicht die richtige Strategie. Es ändert sich einfach nicht!“

Sie schaut ratlos zu Boden.

 

Was geht in deinem Kind vor?

Kennst du solche Situationen auch?

Ist dies ein Thema, das dich triggert, dich berührt?

Dann möchte ich dir heute helfen, gelassener in diesen Situationen zu bleiben, indem ich dir Hintergrundwissen an die Hand gebe, was in deinem Kind vorgeht, warum Kinder solche Worte benutzen und wie du darauf reagieren kannst.  

Wichtig für dich zu wissen: Meist wissen Kinder gar nicht, was sie sagen. Sie plappern nach, was sie irgendwo gehört haben und freuen sich über die heftige Reaktion, die das bei Erwachsenen auslöst.

Ungefähr mit vier Jahren beginnen viele Kinder, Kraftausdrücke zu verwenden. Wenn sie früh außerhäuslich betreut werden, auch schon früher. Sie hören Schimpfwörter, Flüche und Vulgarismen von den Eltern oder anderen Kindern und entdecken rasch, dass sie die Fähigkeit besitzen, damit heftige Reaktionen bei anderen Menschen hervorzurufen.

Der Teufelskreis: Je heftiger wir darauf reagieren, umso mehr erhöht sich der Spaß beim Kind, da sie dem Kind ein immenses Machtgefühl verleihen. Kinder fühlen sich dabei überlegen und mächtig.

Manche Kinder neigen auch dazu, Schimpfwörter zu benutzen, wenn sie selbst von anderen beschimpft worden sind. Durch die Wiederholung der Worte verarbeiten sie in diesem Fall die Kränkung.

Wie am Beispiel der Mutter zu sehen, bringen Zurechtweisungen in der Regel gar nichts. Gegebenenfalls wird das Kind aufhören, diese im Beisein der Eltern zu verwenden, aber zu anderen Gelegenheiten wieder hervorbringen.

Wenn du deinem Kind verbietest, Schimpfwörter und Kraftausdrücke zu verwenden, wird dein Kind auf Widerstand programmiert, was langfristig eurer Beziehung schadet. Außerdem leidet das Selbstwertgefühl deines Kindes.

Wusstest du, dass Kinder immer im Moment leben? In einem Moment bist du die „blödeste Mama auf der ganzen Welt“ – zum Beispiel, wenn du etwas nicht erlaubst – und im nächsten Moment kuschelt sich dein Kind an dich und sagt dir verträumt, wie lieb es dich hat.

Für Erwachsene ist diese Ambivalenz und die plötzlichen Stimmungsschwankungen schwer nachvollziehbar, doch Kinder denken so nicht. Kinder leben im Hier und Jetzt. Die Gefühle verändern sich minütlich. Daher, ganz wichtig: Nimm die verbalen Angriffe niemals persönlich!

Wie du auf Schimpfwörter reagieren kannst

Mit dem Wissen, was in deinem Kind vorgeht, fällt es dir bestimmt schon leichter, nicht mehr ganz so heftig auf die Schimpfwörter zu reagieren, und sie vor allem nicht persönlich zu nehmen.

Eine Vorgehensweise, um den Ball zurückzuspielen, könnte die Frage sein: „Was ist denn ein ‚Arschloch‘ überhaupt?“ Oft merken Eltern in dem Moment schon, dass hinter dem ausgesprochenen Wort nicht viel Inhalt steckt.

Eine weitere Möglichkeit ist, das Gesagte schlichtweg zu ignorieren. Das fällt vielen Eltern allerdings nicht leicht. Stattdessen könntest du feststellen: „All die schlimmen Wörter wollen aus dir raus!“ Wichtig ist, dass die heftige Reaktion ausbleibt, denn die macht es für die Kinder besonders spannend, das Wort noch einmal auszusprechen.

Du könntest auch einen spielerischen Ansatz in Form von Bindungsspielen wählen, indem du das unliebsame Verhalten durch Humor veränderst. Denkbar wären Machtumkehrspiele:

Du lässt dich dramatisch zu Boden sinken:

„Oh nein! Dieses Schimpfwort ist so stark, dass es mich glatt umgehauen hat“.

Anhand der Reaktion deines Kindes wirst du merken, wie du weitermachen kannst. Gehe einfach im Spielverlauf mit, vor allem, wenn dein Kind zu lachen beginnt. Lachen ist einer der Mechanismen, wie sich Kinder von Stress befreien. Folge dem Lachen, dann machst du alles richtig!

Du kannst auch den Teddy beschuldigen, das Schimpfwort verwendet zu haben. In gespielt ernstem, strengen Ton wendest du dich an ihn:

„Wer hat das gesagt? Warst du das, Teddybär? Dieses Wort will ich nie wieder von dir hören!“

Vermutlich wird dein Kind das Schimpfwort wiederholen und dabei kräftig lachen. Halte dem Teddy eine Moralpredigt, die sich gewaschen hat und gehe mit im Spielverlauf.

Eine weitere spielerische Variante stellen die Nonsensspiele dar. Du kannst das Schimpfwort absichtlich falsch aussprechen oder total übertrieben betonen. Das Ziel ist auch hier, dass dein Kind beginnt zu lachen. Dann mach weiter.

Wenn dein Kind beispielsweise zu dir sagt: „Du bist ein Arsch mit Ohren“ könntest du kontern:

„Du bist ein Barsch mit Ohren? Wie sieht der denn aus?“

Oder ihr legt einen Zeitrahmen fest, in dem ihr euch alle möglichen Schimpfwörter an den Kopf werft, immer lauter werdet, und idealerweise darüber gemeinsam lacht. Das Lachen wird euch verbinden. Ihr könnt auch gemeinsam Schimpfwörter erfinden und sie euch abwechselnd zurufen: „Bergaufbremser“, „Schattenparker“, „Klotaucher“ und so weiter. Dem Spiel sind keine Grenzen gesetzt, lasst eurer Fantasie freien Lauf.

 

Wie geht es dir jetzt? Wie fühlst du dich nach diesem Artikel? Freust du dich gar auf das nächste Schimpfwort, um etwas hiervon auszuprobieren? Wähle dir für den Anfang genau eine Sache aus, mit der du startest. Überfordere dich nicht. Dein Gehirn muss erst umdenken. Ich wünsche dir viel Spaß bei der Umsetzung.

Wenn du dir Hilfe und Unterstützung, jemanden an deine Seite wünschst, schreib mich gerne an, ich bin für dich da.

Spannend könnte für dich auch einer meiner Online-Workshops sein oder dir liegt es eher, dir die Inhalte eines Themas selbst anzueignen.

Sieh mal hier auf meiner Startseite kannst du dir das kostenfreie Handout „Erste Hilfe für Alltagskonflikte mit deinem Kind“ runterladen, in dem ich dir weitere spielerische Ideen vorstelle.

Wie auch immer wir uns kennenlernen, ich freue mich sehr auf dich und deine Geschichte.  

Von Herzen, Deine Jenn

 

                                                                                               Bildquelle: Pixabay – geralt