Eifersucht: Wenn ein weiteres Kind geboren wird

„Wenn ein Geschwisterchen – also ein weiteres Kind – in die Familie reingeboren wird, ist das für das ältere Kind wie, als würde dein Mann eine andere Frau mit nach Hause bringen und dich informieren: „Das ist Gabi. Sie wohnt ab sofort bei uns … und… ach ja… sie schläft bei uns im Bett.“

Wie würdest du reagieren?

Nichts anderes erleben Erstgeborene.

Erinnerst du dich? Dein erstes Kind kam auf die Welt, eure eigene Welt stand erstmal still und alles drehte sich um das Neugeborene. Jeder kam zur Babyschau, jeder wollte mal halten. Das Kind wurde auf einen Thron gesetzt, dort verwöhnt und umsorgt. Beim ersten Piep waren alle da. Die ganze Aufmerksamkeit galt dem einen Kind.

Und dann…

Ein zweites Kind betritt die heiligen Hallen der Königin / des Königs.

Der Neuankömmling schaut sich neugierig im Palast um, schreitet dann zielsicher zum aktuell noch besetzten Thron, schnippt einmal mit dem Finger und stürzt den Regierenden hinunter. Die „Neue“ setzt sich, scheinbar ohne schlechtes Gewissen, auf den Thron, während der Gestürzte sich verwirrt umsieht. Die Landung war hart.

So geht es vielen Erstgeborenen. Die Geburt eines zweiten Kindes wirbelt die Familie noch einmal komplett auf und jeder muss seinen neuen Platz in der Familie suchen.

 

Eifersucht unter Geschwistern

Eifersucht kann sich unmittelbar nach der Geburt einstellen oder erst später greifbare Formen annehmen, wenn das jüngere Kind das ältere beim Spielen stört oder ein Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit der Eltern entbrennt.

Es herrscht eine Ambivalenz in der Geschwisterbeziehung: Das Hin und Her zwischen Streit und Eifersucht, und Zuneigung und Liebe – immer im Wechsel.

Wichtig zu wissen: Es gibt eine ganz tiefe Liebe zwischen Geschwistern, ganz anders als zwischen Mann und Frau oder Eltern und Kindern. Diese Liebe der Geschwister ist immer da, auch wenn das ältere Kind gerade sehr eifersüchtig ist. Hab im Blick, dass beides da sein darf: Die Liebe und die Eifersucht.

Fühle dich in die Gefühle des Kindes ein und benenne die Gefühle: „Jetzt ist der Luca da. Das ist manchmal bestimmt schwer für dich, ein kleines Geschwisterchen zu haben. Du hättest Mama und Papa gerne wieder mehr für dich? Ich verstehe das.“

 

Wie euch Bindungsspiele helfen

Lass dein großes Kind (alle Kinder!) immer spüren, dass ihm deine Liebe gewiss ist!

Eine Möglichkeit dafür sind die Bindungsspiele aus dem Aware Parenting (bewusstes Elternsein). Ich habe einen kleinen Ausschnitt an Bindungsspielen aus meiner Kurseinheit „Geschwister – wie sie ein Team werden“ zusammengestellt, die helfen sollen, die Zeit nach der Geburt des Geschwisterchens für das größere Kind einfacher zu machen.

Empfehlenswert ist es, diese Spiele nach der Geburt des Geschwisterchens einmal am Tag einzuplanen. Durch die Spielzeit fühlt sich dein Kind wertgeschätzt, gesehen und verstanden. Eifersucht auf das Geschwisterkind nimmt ab oder kommt gar nicht (mehr) vor.

Nicht-direktives, kindzentriertes Spiel

Hierbei schenkst du deinem Kind deine volle Aufmerksamkeit in einem 1:1-Setting. Ihr seid ungestört, also Handy aus oder lautlos, die Geschwisterkinder sollten anderweitig betreut oder beschäftigt sein. Nun lasse dein Kind wählen, womit es spielen möchte und greife nicht ins Spiel ein, es sei denn, dein Kind fordert dich dazu auf. Dein Kind übernimmt also die Führung während des Spiels.

Machtumkehrspiele

Diese Spiele haben sich bewährt, wenn das größere Kind dem kleinen Geschwisterchen gegenüber handgreiflich wird, oder wenn sich die Aggression gegen Mama oder Papa richtet.

Animiere dein großes Kind dazu, Mama oder Papa statt des kleinen Bruders / der kleinen Schwester zu schubsen. Dies kannst du tun, indem du ein Kissen vor deinen Bauch hältst und dein Kind dazu animierst, mit Anlauf dagegen zu rennen. Deine Aufgabe ist es, vorzugeben, besonders schwach zu sein. Lass dich theatralisch auf den Boden sinken, mache entsprechende Geräusche der Ohnmacht, gib alles!

Regressionsspiele

Viele größere Kinder initiieren von sich aus Regressionsspiele. Sie fangen an, sich wieder wie ein Baby zu verhalten: Fallen beispielsweise zurück in die Babysprache. Gehe darauf ein, umsorge dein „großes Baby“, schenke ihm all deine Liebe und Zuwendung in einer Phase des Umbruchs, in der es sich verwirrt, verängstigt oder ungeliebt fühlt. 

Dem Baby die Stimme leihen

Bewährt hat sich in unserem Alltag auch, dass du deinem Baby die Stimme leihst.

Beispiel: Das kleinere Kind haut das größere. Du leihst dem Kleinen deine verstellte Stimme: „Ich wollte das nicht. Eigentlich wollte ich „hallo“ sagen und fragen, ob du mit mir spielst.“

 

Weitere Ideen für Bindungsspiele, die bei Geschwisterstreitigkeiten, Geschwisterrivalitäten und Geschwistereifersucht helfen, findest du entweder in meiner Kurseinheit „Geschwister – wie sie ein Team werden“, oder du buchst dein persönliches Beratungsgespräch mit mir.

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                                                                                                                                                                                                                                            Bildquelle: Pixabay – 460273