Zähne putzen – So kooperiert dein Kind

Eines der häufigsten Themen, auf die ich in meinen Beratungen angesprochen werde, ist das Zähne putzen.

Mein großer Sohn hat aufgrund einer Antibiotikagabe in unserer Schwangerschaft leider nicht die besten Zähne, weswegen es mir wichtig ist, diese regelmäßig zu pflegen.

Ich denke, wir sind uns einig, dass Zähne putzen gegen den Willen des Kindes zum einen nichts bringt, und zum anderen nicht förderlich ist, um nachhaltig die Beziehung auf Augenhöhe zu halten.

Mein Sohn und ich bilden ein Team. So sehe ich das.

Wichtig ist daher für mich, keinen Druck auszuüben. Zwang führt allerhöchstens zu mieser Stimmung und mangelnder Bereitschaft von Seiten des Kindes, überhaupt mitzuarbeiten.

Ich habe schnell gemerkt, dass ich mit den Phrasen „Zähne putzen ist wichtig“ und „Wer Süßigkeiten essen kann, muss auch Zähne putzen“ oder den Figuren Karius und Baktus allerhöchstens ein gelangweiltes Gähnen seitens meines Kindes ernte.

Eine andere Lösung musste her.

Ich fragte mich: Was will ein Kind?

Spielen!

Immer!

Also lag die Lösung nahe, aus allem (übrigens funktioniert das wirklich in ALLEN Bereichen) ein Spiel zu machen. So ist dir die Kooperation gewiss.

Ich fülle die graue Theorie mit ein paar praktischen Beispielen:

  • Halte verschiedene Zahncremes bereit mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Daraus machst du dann ein Ratespiel: „Augen zu! Und nun rate, welche Zahnpasta das ist“… Zahnbürste in den Mund und los geht die Putzerei.

 

  • Einbeziehen: Funktioniert z.B. mit einer Auswahl an Zahnbürsten: „Möchtest Du die gelbe oder die grüne Zahnbürste benutzen?“ Oder: „Möchtest Du lieber im Bad oder im Wohnzimmer die Zähne putzen?“ Oder: „Möchtest du die Zahnpasta auf die Zahnbürste geben, oder soll ich das tun?“ All das gibt deinem Kind das Gefühl, gesehen zu werden. Es ist wichtig, dass du die Grenzen deines Kindes wahrst.

 

  • Auch das Abzählen kommt bei Kindern super an. Legt alle Zahnbürsten vor euch, oder haltet sie in der Hand, und los geht es mit eurem Lieblingsabzählreim.

 

 

  • Versteckspiele in allen Varianten – die lieben Kinder. In diesem Spiel versteckt ihr Zahnbürsten im Bad: „Die, die Du als erstes findest, mit der putzen wir die Zähne.“

 

  • Oder du suchst „etwas“ im Mund des Kindes, z.B. sein Lieblingsspielzeug. Die Zahnbürste findet es dann oben rechts hinter den Backenzähnen. „Hat sich das Männchen etwa in Deinem Mund versteckt? Komm, wir schauen mal.“

 

  • Ein Kuscheltier im Bad verstecken und dann gemeinsam auf die Suche gehen: „Komm, wir schauen mal im Waschbecken… in der Waschmaschine… mit der Zahnbürste in deinem Mund…“

 

  • Zahnteufel wegputzen. Nimm dein Kind mit auf eine Fantasiereise und beschreibe die Teufelchen: Farbe, Aussehen, Geräusche, die sie von sich geben. Das macht es spannender.

 

  • Apropos Fantasiereise. Viele Kinder lieben es, wenn man ihnen Geschichten erzählt, sich welche (gemeinsam) ausdenkt. So gibt es bei uns die Geschichte von „Emil Hauptbahnhof“. Dort gibt es viele Geschäfte – er erfindet immer wieder neue Läden, die dort eröffnen. So wächst der Bahnhof immer weiter, wird immer größer. Inzwischen gibt es dort auch einen Indoor-Spielplatz oder einen See mit vielen Enten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ideal ist, dass man diese Geschichte fortsetzen kann und sich das Kind am Abend schon drauf freut.

 

 

  • Rollenspiele: „Welches Kuscheltier darf dir heute die Zähne putzen?“ Die Kooperation und Interaktion mit Spielsachen oder Kuscheltieren hat sich eindeutig bewährt. Egal ob Zähneputzen, Toilettengang, Hände waschen… Wir haben beispielsweise einen Luftballon, der im Bad „wohnt“, dem ich Augen, eine Nase und einen Mund gemalt habe. „Erdi“ schaut immer mit Begeisterung beim Pipi machen zu, da er selbst ja nur ein Gesicht hat.

 

  • Auf unseren Zahnbürsten befinden sich kleine Bilder, die mich auf die Idee gebracht haben, auch diese Figuren zum Leben zu erwecken: „Ich war gerade im Bad, die Affen haben schon nach dir gefragt“…

 

  • Zahnarzt spielen. Viele Kinder haben Angst vor dem Zahnarzt. Um ihnen den Schrecken vor den benutzten Instrumenten zu nehmen, kannst du ein Symbolspiel Wir beziehen hier auch wieder die Kuscheltiere ein, die im Wartezimmer auf ihre Behandlung warten und einer nach dem anderen aufgerufen wird. Ich benutze z.B. eine Nagelfeile, eine Pinzette und ein Pferdefüßchen, die im Spiel zu Lampe, Bohrer, Poliergerät etc. mutieren. Nach der vorsorglichen Überprüfung der Zähne folgt die Zahnprophylaxe, also das Zähne putzen, damit die Zähne auch morgen noch gesund sind.

 

  • Oder du machst euer Lieblingslied an und ihr putzt für die Dauer des Lieblingsliedes die Zähne.

 

  • Starte eine Challenge: „Wer zuerst im Bad ist, hat gewonnen“. Oder du rufst: „Ich bin als erster im Bad“, und beeilst dich dann, ins Bad zu kommen. Funktioniert auch prima bei Toilettengängen.

 

Wichtig ist: Schaffe für dein Vorhaben ideale Bedingungen.

Dein Kind sollte weder übermüdet sein, noch aus einem anderen Spiel gerissen werden, in das es gerade vertieft ist. Auch solltest du vorher die Bindung aktivieren, das heißt: Sei präsent, suche den Augenkontakt, suche das Gespräch, zeige Interesse an dem, was dein Kind gerade tut, lacht gemeinsam, berührt euch… Und dann erst kommst du mit deiner Bitte – welcher auch immer.

Grundsätzlich gilt: Sollte es aus irgendwelchen Gründen einmal nicht klappen mit dem Zähne putzen: Einmal ist keinmal.

 

Du wünschst dir eine individuelle Beratung? Dann lass uns erstmal beschnuppern. Dieser Termin ist für dich völlig kostenfrei. Du schilderst mir euer Thema und dann entscheiden wir beide, ob die Chemie stimmt und wir uns eure Herausforderungen gemeinsam ansehen.

Wenn dir der spielerische Ansatz gefällt, möchte ich dir das Buch „Spielen schafft Nähe – Nähe löst Konflikte“ von Aletha Solter ans Herz legen. Dort findest du zu vielen verschiedenen Themen das passende Bindungsspiel.

                                                                                                                                                                                                              Bildquelle: pixabay – PublicDomainPictures / 17902