Bindung - glueckliche Eltern

Bindung: Warum einige Eltern scheitern und andere nicht

Erste Hilfe für Alltagskonflikte mit deinem Kind

Erhalte nicht nur die 11-seitige Sammlung „Erste Hilfe für Alltagskonflikte mit deinem Kind“ (Zähne putzen, Aggression, teilen, mangelnde Kooperation, aufräumen, anziehen) von mir, sondern darüber hinaus regelmäßig konkrete Tipps für euren Alltag, Impulse für gestresste Eltern, Ankündigungen für deine persönliche Weiterbildung und mehr!

Bindung bildet die Grundlage des Lebens.

Wie gut ein Mensch mit sich und der Welt zurechtkommt, hängt von seinen frühkindlichen Bindungserfahrungen ab.

In den ersten Lebensjahren erlebt das Kind die allererste Liebe.

Sie bietet ihm während seines langen Entwicklungsweges ein vielfältiges Kraftpaket:

Anerkennung, Zuwendung, Klarheit, Orientierung, Sicherheit, Freiräume und Grenzen.

Eine sichere Bindung bietet Kindern einen verlässlichen Hafen, in dem ihr Lebensschiff vor Anker liegt. Hier lernen sie, zu navigieren und Segel zu setzen, um sich optimistisch auf ihre individuelle Reise durch das Leben zu begeben.

Bindung im Säuglingsalter

Die eigenen Gefühle zu verstehen, muss ein Kind erst lernen – die Bindungsbeziehung zu den Eltern ist der beste Ort dafür.

Hier entstehen auch Selbstwertgefühl, Vertrauen und Autonomie.

Jedes Mal, wenn Eltern ihr Kind trösten oder ermutigen, wächst in ihm ein Stückchen mehr Vertrauen in die Welt und in sich selbst.

Denn die Bindung entsteht im täglichen Miteinander und in der gemeinsamen Kommunikation.

Feinfühligkeit der Eltern ist eine wichtige Voraussetzung, damit Kommunikation gelingt.

Eltern verhalten sich gegenüber ihrem Kind feinfühlig, wenn sie seine Signale rechtzeitig wahrnehmen, richtig interpretieren und prompt und angemessen darauf reagieren.

Dies setzt voraus, dass Eltern lernen, mit ihren eigenen Gefühlen gut umzugehen.

Die Beziehung zum eigenen Kind bietet hierfür eine einzigartige Gelegenheit.

Die wichtigste Aufgabe der Eltern in der Beziehung zum Kind ist es, die kindlichen Bedürfnisse zu erkennen, zu akzeptieren und emotional verfügbar zu sein.

Und damit das Kind in möglichst all seinen Gefühlen und Erfahrungen liebevoll und einfühlsam zu begleiten.

Ob es fröhlich pfeifend das Leben angeht oder eher zurückhaltend und misstrauisch – seine frühesten Erfahrungen entscheiden darüber, wie wohl oder unwohl sich ein Kind lebenslang in seiner Haut fühlen wird.

Wann ist ein Kind sicher gebunden - und wann nicht?

Als Faustregel kann man sich merken:

Sichere Kinder weinen, wenn die Mutter plötzlich das Untersuchungszimmer verlässt, lassen sich ein wenig von der fremden Frau, die ihnen bleibt, ablenken, aber nicht trösten.

Wenn die Mutter spätestens nach drei Minuten den Raum wieder betritt, ist das Kind in der Regel froh, möchte auf den Arm und lässt sich gut beruhigen.

Bald möchte es wieder vom Arm herunter und weiterspielen.

Es gibt verschiedene Anzeichen, die uns darauf aufmerksam machen können, dass ein Kind nicht sicher gebunden ist:

Ängstlich-ambivalent:

Ängstlich-ambivalent an die Mutter gebundene Kinder weinen extrem laut und lange.

Sie lassen sich von der Mutter schlecht beruhigen, schlagen eventuell aus Enttäuschung über das Verlassen werden nach ihr (Ambivalenz) und möchten auch nicht wieder spielen.

Sie sind hin- und hergerissen zwischen Spielzeug und Mutter.

Oft sind diese Eltern auch ängstlich und unsicher, aber meist sehr liebevoll.

 

Unsicher-vermeidend:

Unsicher-vermeidende Kinder scheinen nicht erschüttert über den Weggang der Mutter, aber das täuscht.

Zeitlupenuntersuchungen haben gezeigt, dass sie auch ein wenig in der Körperhaltung zusammenrutschen und unkonzentriert oder nur schlecht weiterspielen.

Wenn die Mutter zurückkommt, krabbeln sie wieder fröhlich los, kehren ihr zwar den Rücken zu, spielen jedoch konzentriert weiter.

Sie haben gelernt, die Mutter besser nicht zu belästigen mit ihren Wünschen und Gefühlen und tragen dies tapfer allein.

Desorganisierte Kinder:

Desorganisierte Kinder verhalten sich verstört.

Sie wissen nicht, ob sie zur Mutter gehen wollen, wenn sie wieder hereinkommt.

Sie bleiben auf halbem Weg stehen, wenden sich oberflächlich den anderen Personen zu.

Diese Kinder stammen aus Elternhäusern mit psychischen Auffälligkeiten.

Sie haben oft bereits Misshandlungserfahrungen.

Ohne grundlegende intensive, leider oft nicht zu realisierende Hilfe sind dies unsere künftigen Psychopathologie-Patienten (krankhafte Veränderungen des Seelenlebens).

Bindung - trauriges Kind

Bindung im Kleinkind- und Vorschulalter

Hier können Eltern Geduld üben.

Kleinkinder und Vorschulkinder binden sich an wenige Personen zur Zeit.

Das heißt:

Die Bindung muss schon nach kurzer Trennung wieder neu aktiviert werden.

Die Bindung zu unserem Kind entwickelt sich laut dem kanadischen Entwicklungspsychologen Prof. Gordon Neufeld vor allem in den ersten sechs Lebensjahren.

Es bedarf in dieser Zeit eines kontinuierlichen Kontaktes zu mindestens einer Person, um sie zu festigen.

Neufeld vergleicht es mit Wurzeln, die zu Beginn des Lebens noch oberflächlich sind und dann mit jedem Lebensjahr immer tiefer gehen.

Bis die Wurzeln jedoch Grundwasser erreicht haben, müssen wir die kleinen Keime mit Wasser versorgen.

Und zwar täglich.

Schaffen wir es, dass unser Kind bis zum sechsten Lebensjahr tief an uns gebunden ist, haben wir ein wirklich starkes Kind, das voller Vertrauen in die Welt marschiert.

Natürlich müssen wir auch in der Zeit danach darauf achten, das Kind möglichst nicht zu verletzen.

Eine entstandene Bindung kann wieder kaputt gehen, wenn sie zu großen Belastungen ausgesetzt ist.

Unter normalen Umständen ist die Beziehung aber so stabil, dass sich kleine Windböen nicht gleich zum Sturm auswachsen.

Wann entsteht Bindung?

Bindung entsteht, so Neufeld, wenn die Bedingungen günstig sind und das Herz des Kindes weich ist.

Günstig sind die Bedingungen, wenn das Kind Wärme spürt, und Sicherheit und Schutz vor Unterbrechungen herrscht.

Sein Herz ist weich, wenn es alle Emotionen, die da sind, fühlen kann.

Vorausgesetzt, diese Faktoren sind gegeben, binden sich Kinder spontan.

Die Bindung ist in den ersten Lebensjahren ein Grundbedürfnis jedes Menschen.

Unser Kind muss sich geborgen und sicher fühlen, es braucht mindestens einen Menschen, dem es vertraut und von dem es betreut wird.

Geborgenheit kommt vor Wärme, Nahrung und Sicherheit.

Da Kleinkinder absolut abhängig sind, sind sie darauf angewiesen, sich zu binden.

Wenn wir nicht da sind, binden sie sich an eine andere Person und sind uns gegenüber vielleicht zunächst zurückhaltend oder abweisend.

Dann lässt sich die Bindung wieder herstellen, indem man geduldig das uralte weltweite Begrüßungsritual pflegt:

„Augenkontakt, Lächeln, Nicken.“

Zunächst sucht man den Kontakt mit den Augen und geht auch bei Zurückweisung vorsichtig, aber freundlich weiter auf das Kind zu.

Im zweiten Schritt versucht man, dem Kind ein Lächeln zu entlocken.

Erreicht man am Ende, dass das Kind zustimmend nickt, ist die Bindung wieder aufgebaut.

Bindung - lachendes Kind

Bindung in der Praxis: Die Zeit der Reife

Die sogenannte Reifwerdungszeit gliedert sich nach den im Neufeld-Ansatz zusammengefassten Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie in sechs Wurzeln.

Diese entwickeln sich im Idealfall in den ersten sechs Lebensjahren.

Je älter das Kind wird, desto tiefer gehen die Wurzeln, bis sie Grundwasser erreichen.

Im ersten Lebensjahr, also in der Säuglingszeit, bindet sich das Kind über die Sinne: Sehen, Hören, Fühlen.

Im zweiten Lebensjahr erfolgt die Bindung über die Gleichheit.

Das Kind will so sein wie wir, ahmt uns nach.

Zum Beispiel hält es sich das Telefon ans Ohr und imitiert ein Gespräch.

Oder es möchte ebenfalls in einer Schüssel rühren.

So bewahrt es die Verbindung zu uns.

Im dritten Lebensjahr fühlt sich das Kind nah, wenn es auf unserer Seite steht:

„Das ist meine Mama!“

Kinder sind in dieser Phase oft besonders besitzergreifend.

Im vierten Lebensjahr brauchen sie unsere Wertschätzung für ihre sich entfaltende individuelle Persönlichkeit.

Im fünften Lebensjahr bindet sich das Kind über das Herz.

Das ist der wichtigste Schritt überhaupt.

Wenn dies geschehen ist, kann das Kind Trennung viel besser ertragen.

Im sechsten Lebensjahr fühlt sich das Kind uns nah, wenn es uns seine Gedanken, Gefühle und Erlebnisse anvertrauen kann und sich von uns verstanden weiß.

Die Trennungsproblematik

Was Kleinkinder mehr als alles andere von uns brauchen ist Geborgenheit.

Sie suchen Nähe, wollen in Kontakt mit uns sein, uns verbunden sein.

Kurzum:

Sie wollen mit uns zusammen sein.

Kleine Kinder haben ein enormes Problem, mit Trennung umzugehen.

Die Sorge, verlorenzugehen, vergessen zu werden oder zurückzubleiben ist überwältigend.

Diese Angst kann auch ganz plötzlich entstehen.

Unsere Kinder sind hungrig nach Kontakt und Verbindung.

Sie brauchen die Gewissheit, dass wir immer für sie da sind.

Dieses Bedürfnis übersteigt alle anderen Bedürfnisse.

Trennung können die Kleinen schlichtweg nicht ertragen!

Warum ist das so?

Die ersten sechs Lebensjahre sind hauptsächlich der Aufgabe gewidmet, die Beziehungsfähigkeit als wichtigste der menschlichen Fähigkeiten zu entwickeln.

Die Beziehungsfähigkeit unserer Kleinen ist noch nicht soweit ausgeprägt, dass sie im Fall einer Trennung an uns festhalten können.

Bindung - Trennungsangst Kind-2

Was kann beim Kind ausgelöst werden, wenn es mit ständiger Trennung konfrontiert wird?

Starke Emotionen: Es schlägt Alarm, zeigt Anzeichen von Frustration, es will uns nah sein

Es bindet sich anderweitig (Schmusetuch, Kuscheltier, Gleichaltrige)

Manche Kinder werden zum Leitwolf (sie bestimmen)

Das Kind wünscht gar keinen Kontakt mehr und panzert sich gegen jedwede Gefühle

Dies alles sind Anzeichen dafür, dass das Kind mit mehr Trennung konfrontiert ist, als es bewältigen kann.

Fest steht:

Kleinkinder können nicht viel aushalten.

In unserer Gesellschaft höre ich immer wieder, dass ich loslassen soll.

„Trennung muss geübt werden“, lautet ein Standardsatz.

Nein!

Muss sie nicht.

Das Gegenteil ist der Fall.

Das Kind braucht mehr Bindung, nicht weniger.

Je tiefer die Bindung, desto weniger sind unsere ständige Nähe, der direkte Kontakt oder unsere körperliche Anwesenheit erforderlich.

Unser Kind lernt, dass es sich auf uns verlassen kann, dass wir immer da sind.

Wenn Bindung fehlt: Zwei Praxisbeispiele

Hierzu zwei Situationen, die häufig missverstanden werden:

 

Beispiel 1:

Das Kind soll bei seiner Betreuungsperson abgegeben werden und weint.

Die Erzieherin rät der Mutter, sich keine Sorgen zu machen, nimmt das Kind auf den Arm und verlässt den Raum.

Das Kind hört augenblicklich auf zu weinen, was den Eindruck vermittelt, es habe sich schon an die neue Situation gewöhnt.

In diesem Glauben macht sich die Mutter beruhigt auf den Weg.

Was aber geht in unserem Kind vor?

Offensichtlich ist es an diese Betreuungsperson nicht gebunden, denn Kinder weinen nur, wenn sie der Person vertrauen.

Man kann also sagen, es arrangiert sich bestenfalls mit dem Umstand.

Im schlechtesten Fall resigniert es.

 

Beispiel 2:

Der Klassiker:

Wir haben es eilig, und unser Kind will nicht mitkommen.

Oder trödelt.

Eltern neigen dann zu der Ankündigung:

„Ich gehe schon mal vor.“

Was passiert?

Das Kind folgt.

Wir haben also bekommen, was wir wollten.

Aber zu welchem Preis?

Zwar wirkt die Methode in diesem Moment, aber tatsächlich spielen wir mit den Gefühlen des Kindes.

Wir drücken seine Knöpfe.

Das Weggehen löst in unserem Kind Angst vor Trennung aus.

Mit dem Ergebnis, dass es nach Nähe strebt.

Vielleicht nicht sofort; diese Ängste können sich auch später zeigen, zum Beispiel abends beim Einschlafen.

Bindung - Angst vor Trennung-2

Das Bedürfnis nach echtem Spiel

Neufeld unterscheidet Spiel und Arbeit.

Alles, was nicht Arbeit ist, ist Spiel.

Echtes Spiel bezeichnet spontane Handlungen, die einfach geschehen, die aus dem Kind heraus entstehen.

Die Erwachsenen haben dazu weder Hinweise gegeben, noch das Kind angewiesen, es so oder so zu tun.

Im Spiel liegen Schwerpunkt, Motivation und Spaß grundsätzlich im Tun.

Beim Prinzip Arbeit steht dagegen immer das Ergebnis im Vordergrund.

Das echte Spiel, hierauf liegt der Fokus, kann nur geschehen, wenn das Kind gebunden ist, also die Grundbedürfnisse gestillt sind.

Spielen ist für die Entwicklung unserer Kleinen grundlegend wichtig.

Es geht also darum, dass alles, was wir mit unserem Kind tun, spielerisch geschieht und Spaß und Freude bereitet.

Die Vorschulzeit ist keine Zeit für Unterweisungen.

Viele meinen, Kinder brauchen Ernsthaftigkeit, um zu lernen (egal, ob kultiviertes Essen, Zähne putzen, Töpfchen-Training oder Aufgaben im Haushalt).

Das ist nicht der Fall.

Mein Tipp dazu: All das, was im Alltag mit dem Kind Schwierigkeiten bereitet, als lustiges Spiel verpacken!

Ideal hierfür sind Bindungsspiele.

Übrigens sind Kinder, die viel spielen durften, oft kreativer und weniger gewaltbereit.

Das Bedürfnis nach echter Ruhe

Wieder ist der Hunger nach Kontakt und Nähe als Grundbedürfnis unserer Kinder zu erwähnen.

Echte Ruhe bezeichnet nicht unbedingt die akustische Ruhe, sondern vielmehr die seelische, tiefe, emotionale Ruhe.

Echtes Wachstum geschieht immer von einem Ort der Ruhe aus.

Nachts, wenn die Kinder ruhen, wachsen sie folglich am meisten.

Kinder unter sieben Jahren müssen vor allem vom Prinzip Arbeit befreit werden.

Arbeit ist, nebenbei bemerkt, auch das Streben nach Nähe, also wenn unser Kind Aufmerksamkeit verlangt – in welcher Form auch immer – und es dafür kämpfen muss.

Das Kind ist „satt“, wenn wir mehr geben, als es benötigt.

Bestenfalls warten wir nicht, bis das Kind ein Bedürfnis äußert, sondern sehen ihm schon vorher an, welche Sehnsüchte es hat.

So ist es für das Kind selbstverständlich, dass Mami oder Papi immer da sind, wenn es uns braucht.

Es muss sich darüber keine Sorgen machen und empfindet diesbezüglich echte Ruhe.

Wenn dieser emotionale Hunger gestillt ist, ist es frei zu spielen und Wachstum kann geschehen.

Bindung - Kind ist ruhig

Verfrühte Sozialisierung

Um echtes Spiel und echte Ruhe zu fördern, darf der Schwerpunkt nicht auf dem Prinzip Arbeit liegen.

Unsere Kinder müssen allerdings arbeiten, wenn wir uns auf die Manieren, die Leistung, ihr Verhalten oder die gesellschaftlichen Erwartungen konzentrieren.

Vor allem Letzteres sollten wir als Eltern hinterfragen.

Ist es wirklich das, was ich für mein Kind will?

Oder ist es das, was die Gesellschaft vorgibt, was angeblich für mein Kind und mich richtig ist?

Je früher unsere Kinder sozialisiert und damit in die Gesellschaft eingegliedert werden, desto früher wird auch der Fokus auf lieb sein, nett sein, teilen, sich vertragen, sich einfügen und so weiter gelegt.

Das Problem ist, dass wir die Kinder mit diesen Erwartungen überfordern.

Sie geraten zunehmend unter Druck.

Was passiert, wenn das Kind zu früh sozialisiert wird?

Es kennt seine eigenen Sinne noch nicht, seine Gefühle und seine Grenzen.

Es muss teilen, obwohl es nicht teilen will, muss sich entschuldigen, obwohl es nicht einmal versteht, warum es sich entschuldigen soll.

Der ständige Druck von außen und die fehlende Entwicklung der Individualität bewirken, dass die Kinder wieder nach mehr Bindung verlangen, statt sich, wie es die Natur eigentlich vorsieht, aus dem sicheren Schoß der gesunden Bindung nach vorne zu bewegen.

Der Fokus muss also zum einen auf der nährenden Bindung liegen und zum anderen auf der Förderung und Entwicklung der Individualisierung.

Erst dann können wir unser Kind mit gutem Gewissen alleine in die große weite Welt entlassen.

Bindung im Schulalter – die Wackelzahnpubertät

Die Wackelzahnpubertät beginnt etwa im 5. Lebensjahr und erstreckt sich bis zum 11. Lebensjahr.

In dieser Zeit ist dein Kind voll und ganz den großen Gefühlen ausgeliefert, die auf es einprasseln, ähnlich in der Autonomiephase.

Die Trotzphase mit 3 – oder früher oder später – ist keine einfache Zeit – für alle Beteiligten.

Doch damit hört es nicht auf.

Dein Kind in der Wackelzahnpubertät ist jetzt entweder sehr wütend oder sehr anhänglich.

Beide Gefühle sollten empathisch begleitet werden.

In dieser Zeit wollen die Kinder im einen Moment ausziehen und im nächsten Moment kuscheln sie sich an dich und brauchen Nähe.

Das ist herausfordernd.

Um weiterhin die Bindung aufrecht zu halten, braucht dein Kind deine Rückversicherung.

Begegne ihm auf Augenhöhe, fördere sein Bestreben nach Selbstbestimmung und Respekt.

Begleite die starken Gefühle deines Kindes so oft wie möglich empathisch, liebevoll und zugewandt.

Höre deinem Kind zu.

Sei für dein Kind da.

Schenke ihm gemeinsame Zeit.

Bindung zu Jugendlichen: Mit dem Teenager verbunden bleiben

Wenn die Kinder älter werden, verlängert sich das Bindungsband zwischen Eltern und Kind.

Wichtig ist, dass sich das Kind weiterhin darauf verlassen kann, dass die Eltern seine Signale richtig lesen und seinen wirklichen, tiefen Bedürfnissen so gut wie möglich nachkommen.

Teenager sind hin und hergerissen zwischen Nähestreben und Loslassen.

Manchmal benötigt ein Jugendlicher körperliche Nähe und die Eltern als Absicherung, zum Beispiel, wenn zu viel von ihm gefordert wird, oder zu viele Eindrücke auf ihn einprasseln.

Ein andermal benötigt er das Vertrauen der Eltern, damit er selbständig ausprobieren kann, wie die Welt funktioniert und was er in der Welt bewirken kann.

Hierbei geht es um das Loslassen.

Um die gute Bindung zu deinem Teenager weiterhin aktiv zu halten, begegne ihm achtsam und liebevoll, gib Orientierung und Struktur, leite dein Kind an.

Von Anfang an ist es wichtig, dem Kind warm, zugewandt und mitfühlend zu begegnen.

Das ermöglicht es dem Kind, Zuneigung und Einfühlsamkeit zu zeigen, was später in der Pubertät als Basis für eine weiterhin gute Bindung helfen wird.

Bindung zu Jugendlichen in der Praxis

Verbringe so viel Zeit wie möglich mit deinem Teenager.

Fühle dich ein.

Sei präsent und anwesend, im Moment mit ihm / ihr.

Interessiere dich.

Spiele mit ihm.

Im gemeinsamen Spiel liegt der Fokus auf euch, nicht auf all den anderen Dinge, die sonst noch getan werden müssen.

Schenke deinem Kind zudem Vertrauen.

Bestärke es in all seinem Tun.

Redet miteinander.

Begegnet euch auf Augenhöhe.

Schenkt einander Respekt.

Hinterfrage dich und deine Standpunkte und beharre nicht auf ihnen.

Überlege dir, welche liebevollen Grenzen du setzen möchtest.

Helfe deinem Kind, Eindrücke und Argumente zu sortieren.

Verzichte auf Bevormundung und Machtmissbrauch.

Bindung - Teenager und Vater

Bindung fördert Lernen und Vertrauen

Eine stabile Bindung ist für nachhaltiges Lernen erforderlich.

Denn jedes Kind lernt, indem es das Neue, das es in der Welt entdeckt, in Beziehung setzt.

Es knüpft seine neuen Wahrnehmungen an bereits vertraute Erfahrungen an.

Seine Neugier, etwas Unbekanntes auszuprobieren, ist umso größer, je stabiler sein Vertrauen zu den engen Bindungspersonen ist.

Lernen und Vertrauen bilden eine Einheit, dies belegen viele wissenschaftliche Studien:

Die Hirnforschung kann heute nachweisen, dass emotionale Verunsicherung (Angst, Druck, Beschämung) die Leistung des Gehirns mindert. Je liebevoller die Bindung, umso erfolgreicher die Denk- und Gedächtnisleistung

Der neuseeländische Erziehungswissenschaftler John Hattie betont, dass ohne Respekt und Wertschätzung, Fürsorge und Vertrauen keine Bildung gelingen könne. Die emotionale Bindung sei der Schlüssel zur kognitiven Leistung und zum Lernerfolg

Der Humanbiologe Carsten Niemitz legt großen Wert auf die Feststellung: „Lächeln und Lachen sind sozialer Klebstoff. Wir lachen nicht nur, weil etwas lustig ist, sondern vor allem, um soziale Bindungen aufzubauen“

Es ist unumstritten, dass das Kind nur aufgrund stabiler Bindungen sichere Entwicklungsschritte gehen und bedeutsame Schlüsselkompetenzen erwerben kann.

Was bedeutet das für uns Erwachsene, die es dabei begleiten und fördern möchten?

Wenn wir liebe- und verständnisvoll die Bedürfnisse des Kindes erkennen, zuverlässig auf seine Wünsche und Sorgen reagieren, entsteht die nötige Sicherheit für ein harmonisches Miteinander.

Dies sollte nicht nur von unseren Köpfen gelenkt werden, sondern auch von unserer Intuition und vor allem von unseren Herzen:

Wie liebevoll ist unsere Haltung?

Wie zuverlässig leben wir unsere Bindung?

Jeder Mensch benötigt Bindung, um sicher und vertrauensvoll seine Entdeckungsreise starten und ausbauen zu können!

Was sind Bindungsspiele?

Im Spiel entdecken Kinder die Welt:

Sie lernen, sie verarbeiten Gefühle und tanken emotional auf.

Eine prima Form, die Kooperation und Nähe zu fördern sind Bindungsspiele, die, wie der Name schon sagt, die Bindung fördern.

Bindungsspiele…

…sind interaktive Spiele, die dazu beitragen, dass die Beziehung zu deinem Kind enger wird und die Machtkämpfe nachlassen.

…sind Spiele, die Kindern helfen, sich wieder sicher zu fühlen und eine liebevolle Verbindung zu erleben.

Der Entlastungsprozess geschieht bei Bindungsspielen vor allem durch Lachen.

Forschungsergebnisse haben gezeigt:

Lachen verringert innere Anspannung, Angst und Wut – übrigens nicht nur bei Kindern.

Wenn dein Kind lacht, wiederhole es so oft es geht und erfreue dich daran, dass es sich gerade von Stress befreit und dabei heilt.

Überhaupt ist Spielen mit Kindern wichtig und es fördert die Bindung sofort.

Welcher Mensch bekommt nicht gerne von anderen die volle Aufmerksamkeit?!

Hui, das war jetzt eine Menge Stoff.

Egal wie alt dein Kind ist:

Jetzt weißt du, was du tun kannst, um die Bindung zu deinem Kind herzustellen.

Wenn du dir Hilfe und Unterstützung für eure täglichen Herausforderungen wünschst, dann buche sehr gerne eine Einzelberatung bei mir.

Wir beschnuppern uns zunächst in einem kurzen kostenfreien Videogespräch und finden heraus, ob wir zueinander passen.

Hinterlasse auch sehr gerne einen Kommentar und erzähle, wie ihr in eurer Familie Bindung lebt.

Was ist euer Geheimrezept, das du mit uns teilen magst?

Bleibe stets verbunden

Deine Jenniffer

Empfehlenswerte Verbände, Vereine, Initiativen und Stiftungen, die sich für das Thema Bindung in Familien starkmachen:

Der Verband Familienarbeit e.V. fordert die finanzielle und soziale Absicherung häuslicher Eltern- und Pflegearbeit.

Die Stiftung für Familienwerte stärkt, unterstützt, vernetzt und fördert Organisationen, Initiativen, Vereinigungen und einzelne Personen, die sich in Deutschland für das Wohl der Familie und des Kindes einsetzen.

Die Stiftung Zu-Wendung für Kinder setzt sich für das Wohl von Babys, Kleinkindern und Kindern ein und schafft Aufmerksamkeit für ihr Bedürfnis nach Nähe und Bindung zu ihren Eltern.

Das Bündnis Rettet die Familie ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Privatpersonen zur solidarischen Wahrung der Interessen von Familien.

Die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Gisela Geist informiert auf ihrer Webseite Gute-erste-Kinderjahre über die Wichtigkeit der familiären Betreuung in den ersten drei Lebensjahren. 

Die Hans-Joachim-Maaz-Stiftung Beziehungskultursetzt es sich zur Aufgabe, gute Beziehungskultur zu fördern. Der besondere Fokus liegt dabei auf der familiären und außerfamiliären Gestaltung von Beziehungen gegenüber Kindern.

Der Verein Nestbau e.V. mit Sitz in Chemnitz richtet sich an alle interessierten Mütter mit Kindern im Kleinkindalter. Ihr Anliegen: Wertschätzung, Unterstützung und Ermutigung für Mütter.

Die Initiative Frühe Kindheit der Dipl. Psychologin Antje Kräuter klärt darüber auf, wie wichtig die Mutter-Kind-Bindung vor allem in den ersten Jahren für die Gesundheit ist.

Das Netzwerk Kinderzeit – Bindungsstark wachsen wurde 2014 von einer Gruppe von Müttern gegründet, die ihre Kinder über das erste Lebensjahr hinaus selbst zu Hause betreuen. Heute können sich andere Familien hier vernetzen.

Wenn du eine weitere Initiative kennst, oder einer angehörst, die sich für die Bindung in Familien starkmacht, lass es uns gerne in den Kommentaren wissen.

Quellen zum Artikel*:

Schatz, ich bin zu Hause“ von Jenniffer Ehry-Gissel
Spielen schafft Nähe – Nähe löst Konflikte“ von Aletha Solter
Bindung – Eine sichere Basis fürs Leben“ von F. Becker-Stoll, K. Beckh und J. Berkic
Wie aus Kindern glückliche Erwachsene werden“ von Gerald Hüther und C. Nitsch
Schadet die Kinderkrippe meinem Kind“ von Sulz, Walter und Sedlacek

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