Spielen mit Kindern

Erste Hilfe für Alltagskonflikte mit deinem Kind

Erhalte nicht nur die 11-seitige Sammlung „Erste Hilfe für Alltagskonflikte mit deinem Kind“ (Zähne putzen, Aggression, teilen, mangelnde Kooperation, aufräumen, anziehen) von mir, sondern darüber hinaus regelmäßig konkrete Tipps für euren Alltag, Impulse für gestresste Eltern, Ankündigungen für deine persönliche Weiterbildung und mehr!

Spielen mit Kindern ist etwas Wesentliches, was sie brauchen, um gesund groß zu werden

Manchmal nutzen Kinder das Spiel, um zu lernen und zu entdecken, manchmal befreien sie sich durch das Lachen im Spiel von ihrem Stress, manchmal bespielen Kinder Erlebtes, um es zu verarbeiten.

Spielen ist also ihr Lebenselixier – ein Grundbedürfnis.

„Ja, stimmt“, magst du jetzt sagen… „Wenn da nicht der vollgepackte Alltag wäre! Ich habe einfach keinen Nerv dafür“…

In unserer schnelllebigen Welt ist kaum noch Zeit zum Luft holen. Der Alltag ist durchgetaktet, wir hetzen von einem Termin zum anderen und sind abends nur noch froh, einmal durchatmen zu können. Für Zeit und vor allem Spielen mit Kindern ist oft wenig Raum – Konflikte sind vorprogrammiert. Dabei kann eine tägliche gemeinsame Spielzeit und das Spielen mit Kindern die Stimmung in der Familie deutlich verbessern und die Kooperationsbereitschaft der Kinder um ein Vielfaches erhöhen.

Denn was ist anstrengender nach einem langen Tag, als abends noch Machtkämpfe auszufechten und Diskussionen mit den Kindern zu führen?!

 

Lerne am Beispiel vom Mann mit der Axt

Vielen Eltern geht es wie dem Mann mit der Axt:

„Ein Spaziergänger trifft in einem Wald auf einen Holzfäller, der mühsam versucht, mit seiner stumpfen Axt einen Baum zu fällen. Er tritt an ihn heran und fragt: “Aber guter Mann, Ihre Axt ist ja ganz stumpf. Warum schärfen Sie sie denn nicht?” Darauf antwortet der Arbeiter: “Dafür habe ich keine Zeit, ich muss doch den Baum fällen…!”

Wie sieht es mit dir aus? Bist du auch so mit deiner Aufgabe – also deinem Leben und deiner Arbeit – beschäftigt, dass du gar nicht bemerkst, wie viel schneller du mit einer schärferen Axt (neuem Wissen und neuen Fähigkeiten) vorankämst?

Ich möchte dich ermutigen: Investiere Zeit in deine Kinder und vor allem in Zeit, in der du richtig eintauchst in das Spielen mit Kindern, und du wirst sofort eine positive Veränderung in eurer Familie erleben. Bindungsspiele beispielsweise sind enorm wirkungsvoll und kraftvoll.

Zur direkten Umsetzung teile ich mit dir drei unserer Lieblingsbindungsspiele, so dass du sofort loslegen kannst:

 

Mein Kind will nicht mit nach Hause kommen

Du hast schon fünf Mal gesagt, du möchtest jetzt nach Hause gehen, zum Beispiel vom Spielplatz? Du bist genervt, weil dein Kind keinerlei Anstalten macht, dich und dein Bedürfnis ernstzunehmen?

Sage zu deinem Kind: „Lass uns so tun, als wären wir Rennautos. Ich wette, ich bin schneller am großen Baum als du.“

Du kannst auch ‚Pferde‘ wählen, je nachdem, was gerade bei euch angesagt ist.

Wichtig ist, dass du jetzt ein ziemlich lahmes Rennauto bist und dein Kind natürlich das Wettrennen gewinnt (Machtumkehrspiel).

Wenn du noch so tust, als ob du stolperst oder dich anderweitig albern zeigst, wirst du ziemlich sicher das Lachen deines Kindes fördern. Das Lachen beim Spielen mit Kindern trägt dazu bei, dass sich ihr inneres Stressgefäß leert. Dies gilt es zu fördern. Bindungsspiele sind dafür ein wunderbares Tool!

 

Mein Kind will nicht das Zimmer aufräumen

Gibt es etwas Langweiligeres, als aufräumen zu müssen? „Ich will lieber spielen!“, sagt das Kind.

Klar. Ich finde aufräumen auch nicht sooooo toll!

Ich weiß jedoch, wie Aufräumen sehr wohl Spaß machen kann: Mache ein Spiel daraus! Spielen mit Kindern darf Spaß machen! Und zwar dem Kind und natürlich auch dir! Wenn du dich auf das Spielen mit Kindern einlässt, förderst du die Kooperation und gleichzeitig die Nähe zwischen dir und deinem Kind.

Tut beispielsweise so, als wäret ihr die sieben Zwerge, die das Haus für Schneewittchen schönmachen. Oder ihr seid Bagger und Kipplaster, die die Holzklötzchen einsammeln. Oder Pferde, wenn die gerade aktueller sind, und ihr schaut, wie viel Spielzeug auf dem Pferderücken (deinem oder dem deines Kindes) Platz hat.

 

Mein Kind will sich nicht die Zähne putzen lassen

Hier ist wichtig, das du ideale Bedingungen schaffst: Dein Kind sollte weder übermüdet sein, noch aus einem anderen Spiel gerissen werden, in das es gerade vertieft ist.

Auch solltest du vorher die Bindung aktivieren, das heißt: Sei präsent, suche den Augenkontakt, suche das Gespräch, zeige Interesse an dem, was dein Kind gerade tut, lacht gemeinsam, berührt euch…

Dann erst legst du los:

Mache eine todernste Miene und sage zu deinem Kind: „Du darfst dir auf gar keinen Fall heute die Zähne putzen!“

Das „Auf-gar-keinen-Fall-Spiel“ funktioniert übrigens auch in vielen anderen Situationen.

Oder frage dein Kind, welches Kuscheltier ihm heute Abend die Zähne putzen darf. Gib dem Kuscheltier deine Stimme und erwecke es so zum Leben. Kinder finden das großartig!

Ich habe auch mal ein Nonsensspiel initiiert, indem ich eine große Badebürste genommen habe – eine, mit der man sich den Rücken schrubbt. Ich bin zu meinem Sohn (damals 5 Jahre alt) gegangen, und sagte: „So, es ist Zeit fürs Zähne putzen“, tat vor seinen Augen so, als würde ich massig Zahnpasta auf dem großen Bürstenkopf verteilen und ging zu ihm. Er schaute mich erstaunt an, fragte, ob das mein Ernst sei und ich nickte.

Was soll ich sagen: Ich hatte sofort seine volle Aufmerksamkeit und als wir dieses Spiel mit viel Lachen ein paar Minuten gespielt hatten, ließ er sich bereitwillig die Zähne putzen.

Du siehst, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Probier es aus. Es gibt kein Richtig und kein Falsch beim Spielen mit Kindern. Sei kreativ und folge dem Lachen!

Diese positiven sozialen Interaktionen regen die Produktion von Oxytocin an, das körpereigene „Wohlfühlhormon“, das dazu beiträgt, Stress abzubauen, Wachstums- und Heilungsprozesse zu fördern und die Gehirnentwicklung im Kindesalter zu unterstützen.

Weitere Spielideen zum „Zähne putzen“ gibt es hier.

Wer sagt, dass Kindererziehung schwer sein muss?!  

Spielen mit Kindern, und vor allem die Bindungsspiele des Aware Parenting, fördern die Bindung zwischen Eltern und Kindern und helfen, wieder mehr Harmonie in den gemeinsamen Alltag zu bringen. Durch die dadurch entstehende Nähe sind die Kinder kooperativer und die ewigen Machtkämpfe gehören der Vergangenheit an.

In meinem Artikel „Bindungsspiele – zur Förderung von Kooperation und Nähe“ werden alle neun Bindungsspiele vorgestellt. Wenn du tiefer einsteigen möchtest in dieses Thema, empfehle ich dir meinen gleichnamigen Videokurs.

Aus eigener Erfahrung mit meinen beiden Jungs Emil (7) und Finn (4), sowie den vielen Familien, die ich schon begleiten durfte, kann ich dir versprechen: Die Bindungsspiele in eurem Alltag regelmäßig zu integrieren, das wird euer Leben verändern.

Die Stimmung wird sich heben, die Bindung zwischen euch fester, stärker und tiefer. Gut gebundene Kinder kooperieren leichter und ihr werdet ein viel entspannteres und harmonischeres Miteinander erleben.

Schärfe deine Axt, statt dich weiterhin mit der stumpfen Axt abzumühen. 

Lass dich auf das Spielen mit Kindern ein und du wirst eine enorme Veränderung in eurem zwischenmenschlichen Miteinander erleben.

 

Anleitung und Beratung für bedürfnisorientierte Erziehung

Jenniffer Ehry-Gissel (42) ist Mama von zwei Jungs (7 und 4) und Bonusmutter zweier inzwischen erwachsener Kinder, die ihr Mann mit in die Ehe brachte. Sie ist zertifizierter Familiencoach und zertifizierte Dozentin für Aware Parenting (bewusstes Elternsein).

Sie leitet Workshops, ist beratend tätig und führt einen Mitgliederbereich, der vollgepackt ist mit viel Wissen, das sie Eltern zur Verfügung stellt, mit dem Ziel, mehr Nähe und Verbindung zu ihren Kindern aufbauen zu können.