Trotzphase – Was du noch nicht wusstest

Erste Hilfe für Alltagskonflikte mit deinem Kind

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Die Trotzphase ist eine Zeit in der Entwicklung des Kindes, vor der viele Eltern Angst haben.

Zu viel Schlimmes hat man über diese Phase gehört.

Terror.

Machtkämpfe.

Ich möchte dir Mut machen:

Wenn du am Ende des Artikels angekommen bist, wirst du dich auf den nächsten Wutanfall deines Kindes freuen.

Versprochen!

 

Warum wüten Kinder über (scheinbar) unbedeutende Ereignisse?

Tauche mit mir ein in den Vormittag von Sarah.

Ihre Mama weckt sie morgens zum Aufstehen und fertigmachen für den Kindergarten.

Heute kommt Sarah überhaupt nicht auf die Beine, sie ist total müde, möchte am liebsten liegenbleiben.

Missmutig geht sie an den Kleiderschrank und sucht ihre Lieblingshose, die aber leider in der Wäsche ist, wie Mama ihr gerade von unten zuruft.

Oh man!  

Zu allem Überfluss mault Sarahs große Schwester mit ihr, weil sie ihre Malsachen nicht finden kann.

Was kann Sarah denn dafür?!

Beim Frühstück stellt sie fest, dass die Milch bereits im Schälchen ist, obwohl sie sie doch selbst eingießen wollte.

Im Kindergarten angekommen ist ihre beste Freundin krank und wird heute nicht kommen.

In der Kita ist es noch dazu besonders laut, Sarah wünscht sich vor allem aber Ruhe.

Sie motzt die anderen Kinder an, sie sollen leiser sein, und sieht, wie die Erzieherin Maja zu Anne schaut, die Augen verdreht und sagt: „Typisch Trotzphase!“

Das tut Sarah weh.

Als sie endlich abgeholt werden soll, ist ihre Mutter nicht da – sie verspätet sich.

DAS hat Sarah sich echt anders vorgestellt!

Zum Mittagessen hat die Mama Linseneintopf gemacht.

Den mag Sarah überhaupt nicht.

Missmutig isst sie ein paar Löffel davon.

Doch dann fällt ihr Blick zum Kühlschrank, auf dem die Keksdose steht, und ihr Blick erhellt sich.

Das Mädchen fragt, ob sie zum Nachtisch ein paar Kekse haben darf.

Ihre Mutter nickt zustimmend, macht die Keksdose auf und es liegt nur noch ein einziger Keks darin…

Und der ist… zerbrochen!

Das ist zu viel für Sarah.

Sie beginnt zu schreien und zu toben, sie weint und wütet und die Mutter versteht die Welt nicht mehr.

Warum rastet Sarah wegen „so einer Kleinigkeit“ aus?

Siehst du, was jetzt passiert ist?

Das innere Stressfässchen von Sarah ist von all den kleinen Dingen, die am Vormittag passiert sind, randvoll und der zerbrochene Keks hat dieses zum Überlaufen gebracht.

Aus Sicht der Mutter rastet Sarah wegen einer Kleinigkeit aus.

Wir aber haben gesehen, welche Stresssituationen Sarah an diesem Vormittag erlebt hat und was alles passiert ist, dass es so weit gekommen ist.

In dem Moment, wo sich Sarah durch das begleitete und liebevoll angenommene Weinen und Wüten entlasten darf von all dem Stress, leert sich das Stressfässchen wieder.

So erfahren Kinder Heilung.

Dr. Aletha Solter nennt das „Broken Cookie Phenomenon“ oder auf deutsch „zerbrochener Keks Phänomen“.

 

Kann ich einen Wutanfall vorhersehen?

Tatsächlich gibt es ein paar Anzeichen in der Trotzphase, die ich übrigens lieber Autonomiephase nenne, bei denen du hellhörig werden solltest:

 

1. Folgende Worte vermitteln dir eindeutig, was Sache ist: Ich!      Will!      Jetzt!     Sofort!    Das Stressgefäß deines Kindes ist randvoll und es will wüten!      

2. Wenn dein Kind quengelig oder weinerlich ist, fühlt es sich entweder noch nicht sicher genug zum wüten oder das Stressfässchen ist noch nicht voll genug.

3. Testet dein Kind immer wieder seine Grenzen aus oder überschreitet es Grenzen, die eigentlich klar gesetzt sind?

 

Wenn eines oder mehrere Anzeichen gegeben sind, kannst du davon ausgehen, dass es bald losgeht.

Es brodelt schon.

Lass mich dir eine Geschichte erzählen.

Eine von sehr vielen, die ich mit meinen Söhnen in deren Trotzphase erlebt habe und immer noch erlebe:

Mein Sohn Emil war damals 4 Jahre alt.

Wir saßen am Mittagessentisch und er stocherte genervt in seinem Essen herum.

Und nein, es gab keine Linsensuppe!

Im Gegenteil, es gab etwas, das er gerne aß.

Damals noch.

Heute, mit 7 Jahren, isst er fast nichts mehr. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wir saßen also am Tisch, mein Sohn stocherte im Essen herum und sagte plötzlich, wie aus dem Nichts heraus mit böse funkelnden Augen in meine Richtung blickend: „Ich will jetzt schnitzen!“

Ich nickte ihm verständnisvoll zu: „Gerne, nach dem Essen“, und setzte meine Mahlzeit fort.

Mein Sohn, immer noch mit verdunkelter Miene im Essen stochernd, legte nach etwa einer Minute nach: „Ich will jetzt kneten!“

Spätestens jetzt war klar, was gleich passieren würde.

Sein Stressfässchen war eindeutig voll und wollte geleert werden.

Es ging nicht ums Schnitzen, und auch nicht ums Kneten!

Was tat ich?

Ich setzte eine liebevolle Grenze:

 

Was ist eine liebevolle Grenze?

Wenn du zu dem Ergebnis kommst, dass dein Kind, das sich in der Trotzphase befindet, wüten muss, und die Bedingungen sind gerade gut, kannst du eine sogenannte ‚liebevolle Grenze‘ setzen.

Gut sind die Bedingungen beispielsweise, wenn ihr euch zu Hause oder zumindest an einem Ort befindet, an dem ihr euch wohlfühlt, und du genug Kraft hast, den Wutanfall deines Kindes zu begleiten.

Einen Wutanfall im Supermarkt zu begleiten ist natürlich auch möglich, so kannst du anderen Eltern gleich zeigen, wie wichtig es ist, die Wut deines Kindes anzunehmen.

Und deine Einstellung trainieren, dass es egal ist, was andere denken.

 

Zurück zur liebevollen Grenze:

In meinem Beispiel vom Mittagessen habe ich mich mit meinem Sohn auf die Couch gesetzt, ihn auf meinen Schoß genommen, Augenkontakt hergestellt, sanft berührt und liebevoll, aber bestimmt, gesagt:

„Ich möchte, dass wir jetzt zusammen zu Mittag essen, gemeinsam am Tisch sitzen. Wir werden jetzt weder schnitzen noch kneten!“

Das hat ausgereicht, dass er begann zu weinen und zu toben – in meiner liebevollen Annahme und Begleitung – und sich so von seinem Stress entlasten konnte.

Weil er sich sicher gefühlt hat, mir seine starken Gefühle zu offenbaren.

Wichtig ist, dass du dein Kind nicht alleine lässt, denn es kann sich nur von Stress befreien, wenn seine starken Gefühle liebevoll angenommen und begleitet werden.

Manche Kinder möchten nicht berührt werden. Schau hier, was dein Kind braucht und folge seinem oder ihrem Bedürfnis.

Nachdem mein Sohn fertig war, und sein Stressfässchen geleert war, setzte er sich heiter an den Tisch, aß sein Mittagessen und erzählte fröhlich, als ob nichts gewesen wäre.

Ich habe schon sehr viele Wutanfälle begleitet, und ich bin immer noch erstaunt, wie wunderbar und schnell sich Kinder von dem Sturm, der eben noch in ihnen getobt hat, erholen.

Die „Trotzphase“ ist wahrlich eine Wunder-volle Zeit, wenn man sie versteht! So viel Heilungspotenzial – für alle Beteiligten!

Was tue ich, wenn mein Kind einen Wutanfall hat?

Zu allererst: Vergiss alles, was du bisher darüber gelesen hast und probiere das:

Also: Dein Kind liegt vor dir auf dem Boden, schreit, weint, wütet, die Tränen fließen, es schreit: „Blöde Mama!“, und du bist einfach nur erstaunt, woher das gerade kommt?

Wie verhältst du dich sonst in dieser Situation?

Mach es diesmal anders!

Halte dir ein imaginäres STOP-Schild vor die Nase und gehe in die Selbstwahrnehmung:

Was will ich spontan tun oder sagen?

Und dann tust oder sagst du NICHTS!

Lasse den Wutanfall zu, wenn es die Situation zulässt und du gerade in deiner Kraft bist, den Sturm zu begleiten.

Falls die Bedingungen gerade nicht günstig sind, lenke dein Kind erstmal ab, aber sei gewähr, dass es später wieder passiert, oder / und das Verhalten deines Kindes eine der oben genannten Anzeichen aufweist.

Wichtig ist grundsätzlich, die beiden Wutregeln zu beachten:

Wenn du das sichergestellt hast, sei einfach präsent bei deinem Kind, das in der Trotzphase allerlei starke, überwältigende Gefühle verarbeiten muss.

Sei an seiner Seite und nehme gleichzeitig deinen eigenen Atem wahr, verbinde dich mit dir selbst, atme tief ein und aus und nehme auch deine Gefühle wahr.

Bleibe in der Nähe deines Kindes, stelle Augenkontakt her, nimm dir Zeit für die Wut.

Wenn dein Kind es zulässt, schenke ihm sanfte Berührungen, höre zu, sage möglichst wenig, und wenn doch, dann mit ruhiger Stimme:

 

„Ich bin hier, du bist sicher bei mir!“

„Du kannst so lange weinen, wie du möchtest!“

„Ich bleibe bei dir, bis du dich besser fühlst!“

 

Die eigene Reaktion wahrzunehmen und zu überdenken, hilft uns, mit der Wut des Kindes gelassener umzugehen.

Habe Geduld – mit dir selbst und deinem Kind.

Es wird von Mal zu Mal einfacher, ich verspreche es!

Nun wartest du.

Atmen und warten.

Wenn das Stressfässchen leer(er) ist, hört dein Kind von alleine auf zu weinen.

Idealerweise entscheidet es selbst, wann es fertig ist.

Du hast es geschafft?

Dann freue dich!

Das hast du super gemacht!

Es ist nicht einfach, einen Wutanfall zu begleiten, vor allem, wenn eigene unschöne Gefühle hochkommen, die man eigentlich gar nicht so gerne anschauen mag:

 

Ich halte die Wut meines Kindes nicht aus!

Viele Eltern berichten, dass sie die Wutanfälle ihres Kindes kaum aushalten.

Oft kommt unbewusst unsere eigene Kindheit hoch.

Dein eigenes Stressfass kommt in Bewegung und… läuft über.

In diesem Overload der Gefühle kannst du nicht verständnisvoll auf den Wutanfall deines Kindes reagieren.

Dann musst du selbst auftanken.

Da das in der Situation selbst nicht möglich ist, ist es wichtig, dass du präventiv etwas für dich tust.

Vorsorglich.

Erforsche, wie voll dein Krafttank ist – oder wie leer – und fülle ihn regelmäßig auf durch Dinge, die dir guttun.

Stell dir vor, du fährst an die Tankstelle, weil dein Auto nur noch auf Reserve läuft.

Natürlich tust du das, denn wenn du nicht tankst, bleibt das Auto stehen.

Pech gehabt.

Achte regelmäßig auf Auszeiten, in denen du Kraft tankst, damit du nicht irgendwann stehenbleibst!

Es kann auch sein, oder ist vermutlich sicher so, dass du in deiner eigenen Kindheit nicht weinen oder gar wüten durftest.

 

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“

„Geh´ auf dein Zimmer und tobe dich dort aus!“

„Reiß dich zusammen! Das macht man nicht!“

„Von dir lasse ich mir nicht auf der Nase rumtanzen!“

 

Kennst du solche Sätze?

Mache eine Reise in deine Vergangenheit oder forsche nach.

Wenn du selbst nicht wütend sein durftest, ist es kein Wunder, dass du mit der Wut deines Kindes nicht gut umgehen kannst, denn es spiegelt dir deine eigenen Erfahrungen wider.

Die Ablehnung deiner starken Gefühle wird dir bei jedem einzelnen Wutanfall deines Kindes gespiegelt.

Gleichzeitig sind wir instinktiv die Eltern, die wir in unserer eigenen Kindheit erlebt haben.

Wir verhalten uns also unwillkürlich wie unsere Eltern – vor allem in Stresssituationen.

Oft missverstehen Erwachsene das Weinen ihres Kindes und versuchen, es zu unterdrücken, weil es ihren eigenen verdrängten Stress und ihr Bedürfnis nach Weinen wieder ins Bewusstsein ruft.

Diese Unterdrückung des Weinens wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Gute Nachricht:

Du kannst diesen Kreislauf durchbrechen!

 

Was passiert, wenn ich die Wut meines Kindes dauerhaft unterdrücke?

Die Wut muss raus!

Das hast du ja nun schon gelernt!

Wenn die Wut nicht raus kann, bleibt das innere Stressfässchen immer voll und kann sich nicht richtig entleeren.

Es ist wie, als wenn wir einen Deckel draufhalten.

Die Folge ist ein Gefühlsstau, der irgendwann auf die körperliche Ebene übergeht.

Der Mensch – übrigens auch Erwachsene – reagiert verschieden, aber er reagiert, beispielsweise mit:

  • Krankheiten
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • aggressivem Verhalten
  • mangelnder Kooperation aufgrund fehlender Bindung
  • Schlafproblemen
  • Hyperaktivität
  • Gewalt
  • forderndem Verhalten
  • Weinerlichkeit
  • Ängsten…

 

Welche positiven Folgen hat es für mein Kind, wenn ich die Wut zulasse?

Kinder, die ihr inneres Stressfässchen in der Trotzphase regelmäßig entleeren dürfen, sind gesünder, da sich die Gefühle nicht anstauen.

Diese Kinder sind befreiter und ausgeglichener.

Sie spielen ausdauernd und vertieft, sind gelöst und zufrieden, und sie schlafen besser. 

Auch sind sie weniger aggressiv oder unruhig, beziehungsweise zappelig.

Und welche Auswirkungen hat das Zulassen der kindlichen Wut auf dein Verhältnis zu deinem Kind? 

Ich sag es dir.

Es ist wunderschön, sei gespannt.

Eigentlich ist es nämlich total schön, dass dein Kind bei dir seine Wutanfälle auslebt.

Weißt du, warum?

Weil das bedeutet, dass es sich bei dir maximal sicher fühlt!

Du bist der Mensch, dem es vertraut, es auch nach der Offenbarung der starken Gefühle noch lieb zu haben.

Du bist die Person, die das aushalten kann.

Hier kann dein Kind all seine wahren Gefühle zeigen, ohne Angst haben zu müssen.

Dadurch wächst das Vertrauen zwischen euch und das wiederum stärkt eure Bindung.

Die Folge: Du bekommst ein selbstbewusstes Kind, das mit seinen starken Gefühlen auch als Erwachsener wunderbar umgehen können wird!

 

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Buchempfehlungen:

Dr. Aletha Solter: „Auch kleine Kinder haben großen Kummer

Dr. Aletha Solter: „Kooperative und kompetente Kinder